Holistische Psychologie und Hypnotherapie: Ein neuer Weg
- elenaceylan

- 18. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Hypnotherapie und hypnosystemische Therapie zählen heute zu den gut untersuchten und wirksamen Verfahren innerhalb der modernen Psychotherapie. Beide Methoden basieren auf der Erkenntnis, dass innere Veränderungsprozesse nicht ausschließlich über kognitive Einsicht, sondern vor allem über implizite, unbewusste und erlebnisnahe Ebenen des Erlebens stattfinden. Forschung aus der Neuropsychologie, der Emotionswissenschaft und der Psychotherapieforschung zeigt, dass der Zugang zu diesen Ebenen wesentlich dazu beiträgt, belastende Muster nachhaltig zu verändern.

Therapeutische Hypnose beschreibt dabei keinen Kontrollverlust oder einen außergewöhnlichen Bewusstseinszustand, sondern einen spezifischen Zustand fokussierter Aufmerksamkeit und erhöhter innerer Orientierung – vergleichbar mit einem vertieften Flow- oder Imaginationszustand. In diesem Modus wird der präfrontale Anteil des Gehirns, der für Bewertung und Kontrolle zuständig ist, entlastet. Gleichzeitig werden emotionale, bildhafte und autobiografische Netzwerke leichter zugänglich. Studien zeigen, dass hypnotherapeutische Verfahren unter anderem die Stressregulation verbessern, emotionale Reaktivität reduzieren und die Verarbeitung belastender Erinnerungen erleichtern können.
Die hypnosystemische Therapie (Gunther Schmidt) verbindet diesen hypnotischen Zugang mit systemischen und konstruktivistischen Grundannahmen. Sie geht davon aus, dass Symptome nicht zufällig entstehen, sondern Ausdruck eines inneren Versuchs sind, psychische Stabilität aufrechtzuerhalten. Gefühle, Gedanken, innere Anteile oder Verhaltensmuster werden nicht als Störung betrachtet, sondern als Elemente eines hochkomplexen inneren Systems, das stets auf Kohärenz und Selbstschutz ausgerichtet ist.
Wissenschaftlich betrachtet bedeutet dies: Symptome haben eine Funktion.
Der hypnosystemische Ansatz versucht, diese Funktion zu verstehen und auf eine Weise zu integrieren, die sowohl die Stabilität des Systems wahrt als auch neue Handlungs- und Erlebensmöglichkeiten eröffnet.
Ein zentrales Element ist dabei die Arbeit mit inneren Bildern und Metaphern. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass bildhafte und emotionale Prozesse im Gehirn ähnliche Netzwerke aktivieren wie tatsächliche Erfahrungen. Das bedeutet: Wenn Menschen in Trance ein neues inneres Bild entwickeln – einen sicheren Raum, eine stärkende innere Figur oder eine andere symbolische Lösung – kann dies zu messbaren Veränderungen in emotionalen Reaktionen, Stressparametern und Entscheidungsprozessen führen.
Die hypnosystemische Therapie nutzt diese Erkenntnisse gezielt. Indem Klient*innen in einen Zustand leichter Trance geführt werden, wird der Zugang zu unbewussten Kompetenzen und Ressourcen erleichtert. Gleichzeitig können dysfunktionale Muster – etwa Überforderung, innere Anspannung, selbstkritische Gedanken oder alte emotionale Verletzungen – in einem sicheren Rahmen neu bewertet und umstrukturiert werden. Dieser Prozess wird nicht durch Konfrontation, sondern durch Kooperation mit dem inneren System ermöglicht.
Die transformative Kraft dieser Verfahren entsteht aus genau diesem Zusammenspiel:
aus wissenschaftlich fundierten Mechanismen der Aufmerksamkeitsfokussierung, der Affektregulation, der Ressourcenaktivierung und der systemischen Neuorganisation innerer Muster.
Viele Patientinnen und Patienten berichten im Verlauf hypnosystemischer Arbeit von einer Verbesserung der Selbstwahrnehmung, von mehr emotionaler Klarheit, von einer geringeren Reaktivität in belastenden Situationen und von einer gesteigerten Selbstwirksamkeit. Diese Veränderungen sind nicht „suggestiv erzeugt“, sondern Ausdruck einer tatsächlichen Neustrukturierung innerer Prozesse, die in einem Zustand erhöhter Offenheit und Regulation stattfindet.
Hypnotherapie und hypnosystemische Therapie sind damit nicht nur Techniken, sondern evidenzbasierte Wege der inneren Neuordnung. Sie ermöglichen den Zugang zu Ressourcen, die im Alltag oft verschüttet sind, und unterstützen die Verarbeitung von Erfahrungen, die bisher psychisch nicht vollständig integriert werden konnten. Ihre transformative Kraft liegt darin, dass sie den Menschen nicht „von außen“ verändern wollen, sondern die Bedingungen schaffen, unter denen das innere System sich selbst neu organisieren kann – präzise, nachhaltig und im Einklang mit der eigenen psychischen Logik.



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